Kommunikation – zweinull


Digitale Kommunikation, Social Media, Beratung & Training

Vor kurzem war ich beim Barcamp Ruhr 3 in Essen. Barcamps sind offene Veranstaltungsformate bei denen jeder Teilnehmer eine Session zu einem beliebigen Themenbereich anbieten kann. Die Sessions dauern 45 Min. So bleibt genügend Platz für Diskussionen und Impulse der Teilnehmer.

Das war mein erstes Barcamp und ich finde das Format wirklich spannend. Mir gefällt der freie und informelle Wissensaustausch auf Augenhöhe. Viele Teilnehmer bringen unterschiedliche Kompetenz auf verschiedenen Gebieten mit und lernen voneinander. In den Sessions wird viel diskutiert und jeder kann sein Fachwissen einbringen. So wandert Wissen durch die Reihen.

Die Sessions:

In der Session „Blogger und PRler – Transparenz, aber wie?“ berichtete Tapio Liller von einer Initiative des Deutschen Rats für Public Relations (DRPR). Der Verband arbeitet gerade an einem Regelwerk für PRler und Blogger. In den USA gibt es bereits ein Gesetz, das Schleichwerbung in Blogs ahndet. In Deutschland findet die Ausgestaltung von Gesetzen und Regelungen im Dialog zwischen Politik und Verbänden statt. Bevor ein Gesetz auf den Weg gebracht wird setzt der Staat auf Selbstregulierung. In der Diskussion wurde deutlich das es „die Blogger“ gar nicht gibt und ein Regulierungsversuch wahrscheinlich wenig Aussichten auf Erfolg haben würde. Eine Diskussion zu dem Thema findet man in Tapios Blog.

Die Session Social Media Currency: Wie misst man eigentlich den Erfolg von Social Media? war gut besucht und es gab eine rege Diskussion. Mein Eindruck: Die Tatsache, das Social Media in Unternehmen ein Querschnittsthema zwischen PR, Marketing, HR und CRM sein kann sorgt für Komplexität und erschwert die Verständigung. Eine von allen Akteuren anerkannte Währung zu entwickeln ist eine Kommunikationsaufgabe und Herausforderung.
Die Slides und den Videomittschnitt der Session findet man im gleichnamigen Blogbeitrag von Markus Kucborski.

In der Session „Barcamps als Learning Comunities“ von @kwitschi haben wir versucht das Barcamp vom Hintergrund des Wissens und Lernens zu deuten. Wir haben uns die Frage gestellt, inwiefern die Kultur des Teilens (sharing) sich außerhalb des Webs fort schreibt. Es gibt ja mittlerweile eine Menge Themen-Camps. Überträgt sich die Kultur des „Sharing“ wie man sie aus dem Social Web kennt auf weniger Web-affine Bereiche? Ist die Barcamp-Bewegung ein Indikator für einen Kulturwandel im Hinblick auf den Umgang mit Wissen? Wenn Barcamps die Antwort sind, was ist dann das Problem? Kann das auch in Unternehmen funktionieren? Eine spannende Diskussion. Die Mind Map zur Session findet man hier.

Den größten Unterhaltungs-Faktor brachte die Chat-Roulette Session. Chat-Partner „Colin the Beard“ brachte die Menge zum Toben. Im  Anschluss konnte sich der Neufundländer über einen Zuwachs an Facebook-Freunden wundern.

Fazit:

Ich habe viele interessant Sessions besucht gute Gespräche geführt, interessante Menschen kennengelernt und konnte Inspiration, Ideen und Anregungen mit nach Hause nehmen. Zudem haben die drei Tage auch wirklich Spaß gemacht. Die Stimmung war gut und die Veranstaltung war hervorragend organisiert. Ein viertes Barcamp Ruhr hat der Organisator Stefan Evertz bereits angekündigt. Ich werde hoffentlich wieder dabei sein können.

Weitere Blogbeiträge zum Barcamp Ruhr 3:

DerWesten: Barcamp Ruhr in Essen – wie Facebook, nur in echt

Mediencluster NRW: Rückblick BarCampRuhr 3 – Ideenfunken, Wortexplosionen und der lebhafte Austausch zum Medienstandort NRW

bertdesign.de: Rückblick auf das BarCamp Ruhr 3 (#bcruhr3)

hirnrinde.de: BarCampRuhr3: Mein Fazit (auch aus Orga-Sicht)

written in basic: Barcamp Ruhr (Essen)

Mehr unter: Barcamp Ruhr 3

Fotos: boerge30 u. Chris Jahn, simsullen

Im Blog von Achim Gras habe ich eine gute Illustration gefunden. Ich finde die Grafik bringt die Besonderheiten der Markenführung im Social Web schön auf den Punkt:

In Worten: Das Internet hat sich von einer Informations- zu einer Kommunikationsplattform entwickelt und ist zu einer wichtigen Plattform der Meinungsbildung geworden. Die Teilnahme am öffentlichen Diskurs steht prinzipiell jedem offen. So  haben Konsumenten und andere Akteure an der Meinungsbildung zu Produkten, Marken, Dienstleistungen und Unternehmen teil.

Im Social Web wird das Image einer Marke nicht mehr allein von Unternehmen oder Institutionen gesteuert, sondern die Konsumenten beeinflussen das Image einer Marke im Netz.

Zwar ist der Kontrollverlust für Unternehmen zunächst einmal eine ärgerliche Tatsache, aber die Besonderheit von Social Media bietet auch eine Reihe von Chancen, die Unternehmen gewinnbringend nutzen können.

Konsumenten, die eine Stimme haben kann man zuhören: Ein systematisches Social Media-Monitoring kann authentisches Kundenfeedback und damit wertvolle Informationen liefern. Während man mit dem Design einer Befragung die Zahl der möglichen Erkenntnisse einschränkt, besteht bei einem Web-Monitoring hingegen eine bessere Chance zu neuen und überraschenden Erkenntnissen zu kommen (hypothesenfreies suchen).

Die gewonnenen Informationen können zur Verbesserung von Produkten und Dienstleistungen, aber auch zur Optimierung von Kommunikationsmaßnahmen eingesetzt werden. Z.B. kann man durch ein gezieltes Monitoring mehr über seine Zielgruppen, ihre Interessen und Bedürfnisse erfahren. Darauf aufbauend können gezielt Kommunikationsstrategien entworfen werden.


17 Mrz, 2010

Barcamp Ruhr 3

Posted by: Tim Krischak In: Veranstaltungen

Vom 20.03.-21.03 findet in Essen das dritte Barcamp-Ruhr statt. Ich habe einen der begehrten Plätze ergattern können und bin schon sehr gespannt. Der thematische Schwerpunkt liegt diesmal auf standortbezogenen Diensten.
Wer keinen Platz mehr bekommen hat, der kann den Geschehnissen auf Twitter (Hashtag: #bcruhr3) folgen oder ins Wiki der Community schauen.

Ort: Unperfekthaus / Essen (Location)

Eine nette Grafik zu Einsatzmöglichkeiten von Social Media im Unternehmen. Zwei Ergänzungen:

1) Die Einsatzmöglichkeit im Marketing wird in der Darstellung auf Publishing (Content-Pushing) reduziert. Das weitaus spannendere Potenzial für das Marketing liegt m.E. im „Zuhören“ (Monitoring) und dem Dialog (Marktforschung durch Social Media).

2) HR (Personal) wird hier leider auf das Recruiting neuer Mitarbeiter reduziert. Dabei kann Social Media in der internen Kommunikation sinnvoll eingesetzt werden. Werkzeuge wie Blogs, Wikis, usw. bieten für das organisationale Lernen (Wissensmanagement, E-Learning) Einsatzmöglichkeiten und Potenziale.

Gibt es weiter Vorschläge?

Noch mehr Grafiken zu Social Media findet man hier.

Best Buy ist einer der größten Elektronik-Discounter in den USA. Das amerikanische Unternehmen beschäftigt etwa 150.00 Mitarbeiter in 1.200 Filialen und profiliert sich als Vorreiter im Social Media Bereich. In der internen- und externe Kommunikation nutzt man verschiedene Tools für unterschiedliche Zwecke und kann auf einige Erfahrungen zurückgreifen.
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Ein spannendes Projekt
ist „Twelpforce“:

Das Unternehmen betreibt einen Service-Kanal bei Twitter, über den die Mitarbeiter Kunden Fragen beantworten, Tipps und Hilfestellungen zu technischen Problemen geben.
Mitarbeiter können sich dazu mit ihrem privaten Twitter-Account auf einer Seite einloggen. Ihre Tweets werden dann über den offiziellen Twelpforce Account versendet. So kann das Unternehmen nachvollziehen, wer von den Mitarbeitern sich in welcher Form beteiligt.

Die Fragen der Kunden werden via @reply beantwortet:

Nutzung kollektiver Intelligenz

Das Unternehmen nutzt so auf öffentlichkeitswirksame Weise die kollektive Intelligenz der Mitarbeiter. Weil jede Frage von allen Mitarbeitern im Twitterstream gesehen werden kann, steigt die Chance das auch kniffelige Fragen schnell beantwortet werden. Denn je mehr Mitarbeiter online sind, desto höher ist auch die Wahrscheinlichkeit, das das benötigte Wissen gerade online verfügbar ist. (Surowiecki, James (2007): Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne.)
Dieses Prinzip ist auch im Zusammenhang mit dem Crowdsourcing bekannt. Dabei verläuft der Wissens-/Leistungstransfer i.d.R. vom Kunden zum Unternehmen, das sich die die Leistung einer großen Gruppe von Freiwilligen (z.B. seinen Kunden) zunutze macht. Bei der Twelpforce wird auch die Leistung und das Wissen einer großen Gruppe genutzt. Nämlich das der eigenen Mitarbeiter. Der Wissenstransfer erfolgt jedoch vom Unternehmen zum Kunden.

John Bernier, SocialMedia Manager bei Best Buy und Kopf hinter Twelpforce sagt:
“Twelpforce helps Best Buy to bridge the gap between the knowledge customers have, to the knowledge customers need to enjoy their products.”

Kundenservice im Schaufenster

Mit Twelpforce hat nicht nur einen weiteren Service-Kanal etabliert, sondern auch aus PR-Sicht einen gelungenen Coup gelandet. Denn im Vergleich zu geschlossenen Kommunikationskanälen (Telefon u. E-Mail sind im Customer Care üblich) finden die Dialoge in einem öffentlichen Raum statt. Dadurch kann man sehen, wie sich die Mitarbeiter von Best Buy für ihre Kunden „ins Zeug legen“. So kann das Unternehmen zugleich eine gute Außenwirkung erzielen.

So wirbt das Unternehmen mit seinem Projekt:

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Gibt es schon ähnliche Ansätze im deutschsprachigen Raum?

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Weiterführende Links:
Videointerview mit John Bernier, dem Kopf hinter Twelpforce
Die Social Media Guidelines der Twelpforce
Der Twelpforce Account bei Twitter

Tim Krischak

Tim Krischak

...kommt aus Essen, arbeitet als freier Berater für Digitale Kommunikation und schreibt hier seit 2008 über Kommunikation in der neuen Medienwelt.

Mehr erfahren...

Kontakt:
Tel. 0201-536 921 47

E-Mail: tim@krischak.net



  • Stephan Mayer: Gerade Großkonzerne mit personell gut ausgestatteten Social Media Abteilungen und Agenturen interessieren sich immer mehr für einheitliche Social Me
  • Thomas: Für die grafische Benutzerüberfläche gibt es ferret (http://www.ferret-go.com/). Hier werden Ergebnisse dauerhaft gespeichert. Es arbeitet mit Sent
  • Tim Krischak: Danke für den Tipp. Das scheint lediglich ein weiterer Alert-Service zu sein. Da fehlen mir zum glücklich sein die Speicherung der Ergebnisse, eine