22 Apr, 2010
re:publica 2010 – Studienreise und Klassenfahrt re:loaded
Posted by: Tim Krischak In: Veranstaltungen
Letzte Woche war ich in Berlin auf der re:publica 2010. Die re:publica ist ein Bloggertreffen und eine Konferenz rund um das Thema Internet und Social Media. Die Veranstaltung fand zum vierten mal statt und wird von einigen als die Klassenfahrt der deutschsprachigen Blogosphäre bezeichnet. Und tatsächlich habe ich dort viele Menschen getroffen, die ich bisher nur aus dem Netz kannte. Ich habe dort interessante Gespräche geführt und viele gute Vorträge gehört. Es waren über 2000 Besucher dort und es gab ein umfangreiches Programm mit mehr als 120 Vorträgen, Workshops und Diskussionen mit Referenten aus etwa 30 Ländern.
Den Eröffnungsvortrag hat Peter Glaser gehalten. Den Text des Vortrags „Die digitale Faszination – Vom Leben auf dem achten Kontinent“ kann man hier nachlesen.
Besonders gut hat mir der Vortrag von Sascha Lobo gefallen. In seinem Vortrag “How to survive a shit storm” schilderte er seine persönliche Erfahrung mit Kritik, die irgendwann in einer Beschimpfung 2.0 mündet. Der Vortrag war kurzweilig, unterhaltsam und lehrreich. Herr Lobo liefert den einen oder anderen guten Tipp wie man mit Shitstorm und Kritik umgehen kann. Interessant auch für Unternehmen, die im Social Web kommunizieren wollen. Die Vortragsfolien werden nachgeliefert schreibt Lobo in seinem Blog.
Interessant war auch der Vortrag “Auf der Überholspur zum Stoppschild: Politiker sprechen über Datenautobahnen”. Prof. Martin Haase hat in einer Art linguistischen Diskusrsanalyse Leitmetaphern des Internets und ihre Genese vorgestellt. Die Vortragsfolien gibt es hier:

Der Vortrag hat mich an das Konzept der Kollektivsymbolik von Jürgen Link erinnert. Eine Analyse der Metaphern im Hinblick auf ihre kulturelle Bedeutung wäre bestimmt spannend. Linktipp aus der Session: neusprech.org
Auf positive Resonanz bei den Besuchern stieß der Vortrag “What’s next? – Wie die Netzwerke Wirtschaft und Gesellschaft revolutionieren” von Peter Kruse. Kruse hat u.a. eine Studie vorgestellt, in der Wertemuster von “Digital Visitors” und “Digital Immigrants” untersucht wurden. Seine These: “Die Schärfe des Disputes pro und contra Internet ist Indikator für die Existenz unzureichend reflektierter Wertedifferenzen.” Ein Interview mit Peter Kruse findet man hier.
Hilfreich und nützlich war für mich der Workshop “Bloggen und Recht“, in dem die beiden Anwälte Henning Krieg und Thorsten Feldmann Tipps zu rechtlichen Stolpersteinen beim Publizieren im Netz gegeben haben. Es gab jede Menge Fragen aus dem Publikum, was die Referenten spontan dazu bewogen hat den Workshop zu verlängern. Aus den angesetzten zwei Stunden sind dann fünf Stunden geworden. Danke dafür! Linktipp aus der Session.
Ein vielbeachtetes Highlight war die Keynote des amerikanischen Publizisten und Bloggers Jeff Jarvis. In seinem Vortrag „The German Paradox: Privacy, Publicness and Penises“ sprach er über Privatsphäre und Öffentlichkeit im Internet. Die Deutschen, so seine Beobachtung, legen auf die Kontrolle ihrer Daten besonders viel Wert. Sein Denkanstoß: Es gilt nicht nur die Privatsphäre, sondern auch Öffentlichkeit zu verteidigen.In einer Gesellschaft in der alle nackt sind verschieben sich die Schamgrenzen, so Jarvis Hoffnung. In seinem Blog schreibt er, dass in die Resonanz in der deutschen Presse überrascht.
Der Vortrag von Jeff Jarvis wurde live-visualisiert:
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