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13 Jan, 2011

Social Media-Analyse: “Still-Leben A40″ und die Resonanz im Social Web

Posted by: Tim Krischak In: Social Media|Social Media Monitoring|Social Media Trends|Social Media-Cases

Gestern habe ich beim Twittwoch-Ruhr einen kleinen Social Media-Vortrag gehalten. Und zwar ging es um die Social Media Analyse eines Groß-Events in Essen.
Am 18. Juli wurde die Hauptverkehrsader des Ruhrgebiets, der „Ruhrschnellweg“ (A40/B1) für einen Tag gesperrt. Die Veranstaltung „Still-Leben A40“ war eine von über 5.500 Veranstaltungen im Kulturhauptstadtjahr und einer der Höhepunkte von „Ruhr 2010“.

Die Bundesstraße wurde sechs Stunden lang für Fußgänger und Radfahrer freigegeben und an über 20.000 Tischen haben sich Gruppen, Vereine, Nachbarschaften und Künstler präsentiert.

Das Spektakel wurde von 3 Mio. Menschen besucht und fand in den Massenmedien ein großes Echo. In über 200 Ländern wurde im TV darüber berichtet. Insgesamt 225 Stunden, also 9 Tage neun Tage am Stück.

Mich hat interessiert welche Resonanz das Spektakel im Social Web erzeugt hat:

Die meistgenutzten Social Media-Dienste:

  • Flickr: 3.285 Bilder
  • Twitter: 1.898 Tweets
  • YouTube: 972 Videos
  • Blogs: 49 Artikel
  • Foursquare: 6 Places, 151 check-ins

(Tag der Veranstaltung)

Blogs

Das Still-Leben war aber auch vor und nach der Veranstaltung ein Thema im Social Web. Über das gesamte Jahr gab es ein Grundrauschen in der Blogosphäre:

Vor der Veranstaltung wurde über Neuigkeiten zum Projekt berichtet und die eigenen Bewerbungen um einen Tisch auf der A40 waren Themen in den Blogs. Im Juli gab es dann an jedem Tag mindestens einen Blogbeitrag. Wer mit einem Tisch vertreten war, berichtete über die Vorbereitungen und gab den Standort auf der Autobahn bekannt. Die meisten Beiträge gab es am Tag der Veranstaltung und am darauf folgenden Tag.

Twitter

Am Tag der Veranstaltung wurden 1.898 Tweets geschrieben. Es wurden Tweets mit Bildern und Kommentaren zum Gesehenen verfasst, man hat sich verabredet, nach vermissten Gegenständen fahndet oder einfach kundgetan das man „dabei“ ist.

Sentiment Analyse (qualitativ):

  • 130 x deutlich positiv (begeistert)
  • 9 x negativ
  • 751 x ohne Hinweis auf Meinung und Stimmung

(Aus techn. Gründen nur für 890 Tweets)

Sprachen: Getwittert wurde auch in englisch, niederländisch und schwedisch.

YouTube und Flickr

Das Still-Leben war vor allem ein Event der Bilder. In dem Videoportal YouTube findet man 971 Videos und bei dem Bilderdienst Flickr 3.285 Fotos. Am Tag des Events und an den darauf folgenden Tagen gab es etwa 100 Blogbeiträge, in denen man weitere Fotos findet.

Fragen:

Wenn ich die gefundenen Daten einmal den 3.000.000 (in Worten: drei Millionen) Besuchern gegenüberstelle, war es im Social Web deutlich stiller als auf der Autobahn.

Haben Twitter & Co. aller medialen Aufmerksamkeit zum Trotz eine breitere Bevölkerungsschicht noch nicht erreicht?

Update: An diesem Tag waren viele Menschen auf dem Event, hatten also keinen Zugang zum Internet. Es konnten nur diejenigen twittern, die ein Smartphone mit Internetzugang besitzen, oder ein Notebook mitgenommen haben. Von den 3 Mio. Besuchern besitzt wahrscheinlich nur ein geringer Teil ein Smartphone und ein kleiner Teil davon nutzt Twitter. Und eine relativ kleine Gruppe hat an diesem Tag auch wirklich etwas geschrieben, denn auf dem Event gab es andere Dinge zu erleben.

12 Responses zu "Social Media-Analyse: “Still-Leben A40″ und die Resonanz im Social Web"

1 | AndreNo Gravatar

Januar 13th, 2011 at 17:17

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Schöner Artikel, die Ruhrpottler und unsere Nachkommen werden es dir danken :)

2 | ContactNo Gravatar

Januar 13th, 2011 at 17:44

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Vielen Dank für die tolle Auswertung! Glaube, die Lösung ist simpel: vor lauter mitmachen und staunen haben die Leute einfach vergessen es zu twittern. Selbst ich :). Es liegen noch immer +50 Fotos auf meinem Rechner, die ich mir immer wieder gerne anschaue, aber nicht poste. War einfach zu persönlich, zu nahe. Man war mit Familie vor Ort und wollte die Zeit gemeinsam verbringen. Anders als ein Konzert o. ä.. Ein absolutes Real-Live-Erlebnis, das hoffentlich NICHT wiederholt wird

3 | Links anne Ruhr (14.01.2011) » Pottblog

Januar 14th, 2011 at 05:44

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[…] Social Media-Analyse: “Still-Leben A40″ und die Resonanz im Social Web – ein Still… – Eine Auswertung der Kulturhauptstadt-Aktion Still-Leben Ruhrschnellweg – auf Social Media-Aktivitäten bezogen (aus einem Vortrag beim Twittwoch in Essen). […]

4 | Online-Redaktion RUHR.2010No Gravatar

Januar 14th, 2011 at 11:52

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Auch von unserer Seite vielen Dank für die spannende Auswertung! Es wäre toll, wenn Du uns Deine Präsentation mal zukommen lassen könntest, das interessiert bestimmt auch unser Still-Leben-Team!
Viele Grüße,
die RUHR.2010-Online-Redaktion (online-redaktion@ruhr2010.de)

5 | No Gravatar

Januar 14th, 2011 at 14:45

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Vielen Dank für Euer Feedback.

@Frank
Das ist eine einleuchtende Erklärung. Ich habe an dem Tag selbst auch nix getwittert. Wen ich bisher gefragt habe, hat mir gesagt, dass er auf der Autobahn andere Dinge getan hat.

6 | Danny Giessner

Januar 15th, 2011 at 12:35

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Würde es auch ähnlich wie Frank sehen: die Leute waren einfach mittendrin. Die wenigsten dürften alleine dort gewesen sein, und da ist man vor lauter visueller und sozialer Interaktion überhaupt nicht in der Lage gewesen, seine Erlebnisse on top noch auf Web2.0-Ebene zu teilen. Mag allerdings auch sein, dass bei vielen die entsprechend notwendigen mobilen Endgeräte nicht vorhanden waren bzw. nicht latent zur Nutzung herangezogen werden. Dazu kommt bestimmt auch, dass die Still-Leben-Aktion ein lokales Phänomen war. Das überregionale Interesse ist imho begrenzt, und im lokalen Umkreis waren die meisten ja vor Ort. Wird in Summe also mehrere Ursachen haben.

7 | Danny Giessner

Januar 15th, 2011 at 12:37

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Ganz vergessen: Guter Beitrag. Und vor allem erkennt man, wieviel Handarbeit auch in so einer qualitativen Auswertung steckt.

8 | No Gravatar

Januar 16th, 2011 at 13:13

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Habe in dem Beitrag jetzt die Deutung der Ergebnisse um die Punkte fehlendes Equiqment und Multitasking ergänzt. Ich danke Euch für die Anregungen.

9 | Frank Tentler

Januar 16th, 2011 at 13:57

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Das ist (leider) das Paradoxum von Social Web: ist das Live-Erlebnis so beeindruckend, dass es einen begeistert, wird wenig in Echtzeit darüber berichtet.
Will ich also Werbung VON dem Event haben, muss ich selbst für eine transmediale Berichterstattung sorgen. Das muss strategisch gut überlegt werden und man muss sich klug Tools auswählen und ebenso bedienen (Transmedia Strategie). Eine Führung der Anwesenden via Web wäre Kontraproduktiv, da es vom Erlebnis ablenkt. Also kann eine Social-Web-Berichterstattung WÄHREND eines Events nur den Sinn machen, mehr Leute zu motivieren hin zu gehen (was bei einer Veranstaltung wie Still-Leben sicher gegangen wäre, aber da es eh schon stellenweise viel zu voll war…), oder eine Dokumentation zu erstellen, die sich in Echtzeit um Eindrücke der Anwesenden, die auch berichten, ergänzt. Will man das erreichen, braucht es aber auch einer Social-Web-Unit, die diese Berichterstattung live überträgt. Das gab es aber während der gesamten RUHR2010 nur für die Produktionen in Duisburg (s. http://www.du2010.de ).
Fr. und Sa. hat ich das große Vergnügen eine Transmedia Produktion in Berlin zu leiten (s. http://ht.ly/3EErz ). Das war ein voller Erfolg, auch weil ich mir die Profis aus Duisburg mitbringen durfte, die schon hervorragend eingespielt sind durch das letzte Jahr. Alles musste sehr schnell geplant werden und zwar als eine Art „Feldversuch“ für ein großes Event, das im Herbst in der Dortmunder Westfalenhalle stattfinden wird. Aus den Produktionen ist im Blog http://chorverband.posterous.com/ schon jetzt eine schöne Dokumentation entstanden, die wir via Memolane noch um die Erlebnisse der Menschen vor Ort ergänzen werden.
Diese Live-Berichterstattung macht aber nur Sinn, wenn man sie für ein Content Marketing nutzt, um so Föderern und Sponsoren, welche diese Ereignisse mit ihren Hilfen ermöglichen, eine zusätzliche Darstellungsmöglichkeit geben kann, die weit über Plakate, Flyer und Programme hinaus geht. Dafür eignet sich das Social Web hervorragend und ich hoffe, dass noch viele Kulturbetriebe erkennen, welchen wertvollen Content sie eigentlich besitzen und ungenutzt lassen.
Im Ruhrgebiet bekommen wir gerade die Folgen der Kultureinsparungen hart zu spüren. Hier wäre eigenverantwortliches Content Marketing sicher eine zusätzliche finanzielle Hilfe, die enorm ausbaufähig ist.

@Tim: was sicher spannend wäre, ist eine Auswertung der NACH dem Still-Leben entstandenen Blog-/FB-/Twitter-Beiträge und die Wirkung, die diese „War das toll!“-Welle“ hatte. Nach meiner Wahrnehmung quoll am Abend und an den nächsten Tagen das Web über mit Reaktionen auf allen digitalen Kanälen und die Leute unterhielten sich ausgiebig in ihren unterschiedlichsten Communities über das Thema.

10 | No Gravatar

Januar 17th, 2011 at 09:14

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Spannendes Projekt Frank.

Die Welle der Begeisterung habe ich beim Sichten der Ergebnisse gespürt. Bei Twitter während des Events, in Blogs u. Foren vor allem nach der Veranstaltung. In den 91 Blogbeiträgen am Tag des Events und des Folgetags war der Tenor „Es war richtig toll und ich war dabei“.

11 | Christian Hennerfehr

Januar 18th, 2011 at 19:16

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Mal abgesehen von der Tatsache, dass man bei Events oder Erlebnissen, die einen persönlich berühren, keine Lust hat, zu twittern oder Fotos zu veröffentlichen, zeigt die Auswertung recht schön, dass Twitter vor allem für den Augenblick das ideale Kommunikationstool ist.

12 | Events und Social Media am Beispiel von Still-Leben A40 bei der #ruhr2010 | Dorothea Martin

Mai 22nd, 2013 at 11:50

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[…] Krischak hat auf Kommunikation Zweinull für den Twittwoch Ruhr das Social Media Echo auf die Veranstaltung “Still-Leben A40″ […]

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Tim Krischak

Tim Krischak

...kommt aus Essen, arbeitet als freier Berater für Digitale Kommunikation und schreibt hier seit 2008 über Kommunikation in der neuen Medienwelt.

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E-Mail: tim@krischak.net



  • Stephan Mayer: Gerade Großkonzerne mit personell gut ausgestatteten Social Media Abteilungen und Agenturen interessieren sich immer mehr für einheitliche Social Me
  • Thomas: Für die grafische Benutzerüberfläche gibt es ferret (http://www.ferret-go.com/). Hier werden Ergebnisse dauerhaft gespeichert. Es arbeitet mit Sent
  • Tim Krischak: Danke für den Tipp. Das scheint lediglich ein weiterer Alert-Service zu sein. Da fehlen mir zum glücklich sein die Speicherung der Ergebnisse, eine