Kommunikation – zweinull


Digitale Kommunikation, Social Media, Beratung & Training

20 Nov, 2010

Studie: Twitter, Journalismus & Medienkompetenz – Denn sie wissen nicht, was sie tun…?

Posted by: Tim Krischak In: Social Media|Social Media Trends|Veranstaltungen|Vorträge

Ich komme gerade vom Journalistentag des DJV-NRW in Recklinghausen. Dort hat der Münsteraner Kommunikationswissenschaftler Christoph Neuberger die Ergebnisse der aktuellen Studie „Twitter und Journalismus“ vorgestellt. Im Auftrag der Landesanstalt für Medien (lfm) wurden siebzig Redaktionsleiter deutscher Internet-Redaktionen befragt, wie in den Internet-Redaktionen Twitter genutzt wird.

Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass in den Redaktionen erheblicher Nachholbedarf besteht – nämlich in der Nutzungskompetenz. Die Ergebnisse werden am Montag den 22.11. veröffentlicht und auf der Homepage des IFK-Münster zu finden sein. Hier kann man die Studie kostenfrei beziehen. Eine Zusammenfassung kann man sich aber auch hier herunterladen.

Einige Schlaglichter aus der Studie:

  • 92% der befragten Redaktionen nutzen Twitter
  • Die Mehrheit hat 2009 mit dem Twittern angefangen
  • Das Social Web wird von Redaktionen im Vergleich zu 2009 häufiger zur Recherche eingesetzt (Google dominiert)
  • Twitter wird von Redaktionen eingesetzt um Im Rahmen der Recherchen Stimmungsbilder zu Themen einzuholen
  • Die Redaktionen nutzen Twitter
    – um auf das eigene Angebot im Internet aufmerksam zu machen (97%)
    – für die mobile Echtzeit-Berichterstattung (63%)
    – zur Interaktion mit Lesern (66%)
    – als Recherchequelle (94%)
  • Für die Betreuung von redaktionellen Accounts steht nicht ausreichend Zeit zur Verfügung (sagen 69% der Befragten)

Zwei Drittel der befragten Redaktionsleiter sehen die Social Media-Kompetenz ihrer Mitarbeiter als stark verbesserungswürdig an.

Eine Schulung von Mitarbeitern findet nicht systematisch statt. Stattdessen erfolgt das Heranführen an die neuen Kommunikationsinstrumente in der Regel informell unter Kollegen.

Ein wichtiges Resümée der Studie:
Die Ausbildung für den Microblogging Dienst ist mangelhaft und in der systematischen Aus‐ und Weiterbildung besteht ein erheblicher Nachholbedarf.

Und das obwohl 82% der Befragten meinen, dass das Social Web nicht nur ein oberflächliches Phänomen sei und es den Journalismus nachhaltig verändern werde. Das es noch keine systematische Social Media-Weiterbildung in den Redaktionen gibt, finde ich umso erstaunlicher.

Damit Verlage und Reaktionen den Anschluss nicht verpassen müssen sie jetzt investieren. Und zwar in die Ausbildung ihrer Mitarbeiter.

Wie seht Ihr das?

13 Responses zu "Studie: Twitter, Journalismus & Medienkompetenz – Denn sie wissen nicht, was sie tun…?"

1 | NGC6544

November 20th, 2010 at 21:07

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Natürlich kann man jetzt noch nichts Konkretes sagen, ich warte noch auf den PDF-Link für die Studie. Die bisher bekanntgewordenen Ergebnisse aber überraschen mich nicht – eher habe ich einige „OMFG“-Gedanken. Man kann sich direkt aber schon mal fragen: Wie kann man auf ein Medium eigentlich permanent eindreschen und dessen Qualität in Frage stellen wenn man es doch als Recherchequelle nutzt und seine Mitarbeiter nicht medienkompetent in diesen Dingen macht? Das sind so Dinge, die ich nicht verstehe – wobei das Eindreschen natürlich nicht alle machen, aber nach dem Journalistentag habe ich das Gefühl, dass immer noch viele ein Problem mit dem Social Web haben. (Größter Zulauf aber war wo? Genau…)

2 | Kai HeddergottNo Gravatar

November 21st, 2010 at 08:30

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Ich halte ja nicht so viel von der ewigen Journalismus- und Journalisten-Schelte aus der Blogosphäre, man ist sich nämlich näher als man denkt… das nur am Rande. Dennoch stimmt die Beobachtung absolut, dass gerade die Panels am besten besucht waren, die Themen verhandelten, die den meisten Teilnehmern noch etwas fremd sind. Das scheint aus einer dumpfen Ahnung heraus zu resultieren, dass sich hier etwas tut, dass den Journalismus und Kommunikation allgemein nachhaltig verändert – und dass diese Veränderung den eigenen Arbeitsplatz und die eigene Berufswirklichkeit mehr als nur ein bisschen tangiert. Dass die Arbeitgeber im Journalismus ihre Mitarbeiter nicht weiterbilden ist eine Binsenweisheit, wird aber durch die Studienergebnisse noch einmal gut belegt. Das kann übrigens politisch genutzt werden durch Berufsverbände und Gewerkschaften – ver.di und DJV haben mit den Studienergebnissen Daten in der Hand, um Verlegern und Senderchefs entgegenzutreten und für die kommenden Innovationsschübe entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen einzufordern. Denn Social Media kann nur mit den nötigen Kompetenzen der Mitarbeiter/Redakteure nachhaltig Umsätze und Gewinne erwirtschaften. So sollte man m.E. solche Studien einordnen und nicht nur auf die nackten Ergebnisse schauen. Auch ich wundere mich im Jahre 2010 über so manchen Kenntnisstand der Kollegen – das Feedback auf mein eigenes iPad-Panel passt dazu, einige Kollegen kamen einfach nicht mit, weil das Thema für sie immer noch unüberschaubar und mindestens in den Begrifflichkeiten Neuland ist. Wir haben das beim zweiten Durchlauf berücksichtigt – aber waren als Panel dadurch ein bisschen weniger unterhaltsam… Also: Da bleibt noch viel zu tun – gegenseitiges Eindreschen hilft aber nicht bei der Entwicklung des Themas.

3 | Carolin Neumann

November 21st, 2010 at 10:56

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Immer wieder interessant solche Ergebnisse. Aber: Dass 92 Prozent der befragten Redaktionen Twitter nutzen, halte ich für wenig aussagekräftig, was die tatsächlich Relevanz des Mediums für den redaktionellen Alltag oder die Recherche angeht. Ich vermute, dass der erste Punkt – um auf das eigene Medium aufmerksam zu machen – noch immer den größten Anteil an der Nutzung hat. Ganz davon abgesehen, dass Redaktionsleiter wohl kaum einen umfassenden Überblick über die Nutzungsprofil ihrer einzelnen Angestellten haben. Wenn einer der Befragten also sagt „Klar nutzen wir Twitter für die Recherche“, für wie viele der Redakteure gilt das dann tatsächlich?

4 | Kommunikation-zweinull.de - Tim Krischak via FacebookNo Gravatar

November 21st, 2010 at 11:30

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Sehe ich auch so. Von Seiten der Verleger und Journalisten wird Inhalten im Social Web ja häufig pauschal die Qualität abgesprochen. Kompetenz im Umgang mit den neuen Kommunikationsinstrumenten ist die grundlegende Basis um Qualität liefern zu können.

5 | Hans-Dieter ZimmermannNo Gravatar

November 21st, 2010 at 11:46

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Dass Zahlen oft nur „Schall und Rauch“ sind und nichts über den tatsächlichen Umgang mit den Social Media und die Medienkompetenz aussagen, ist klar – wird aber immer wieder ‚vergessen‘. Und das gilt nicht nur für Journalisten, sondern für alle Berufsgruppen. Besonders augenfällig finde ich die Zahlen zu den sog. Digital Natives: Ganz persönlich erlebe ich laufend, dass diese jungen Menschen zwar tatsächlich etwas intuitiver mit den neuen Medien umgehen können als vielleicht ‚Ältere‘, rein technisch, aber ein äusserst bedenkliches Defizit bei der Medienkompetenz haben. Das heisst, der kritische Umgang mit den vielen Möglichkeiten des Web, Social Media, et al. ist vielen fremd … Wenn in einer Schule PCs mit Internetanschluss aufgestellt werden („Schulen ans Netz“) hat das noch nichts, rein gar nichts, mit Medienkompetenz zu tun. Gleiches gilt, wenn man (als Journi, etc.) ein Twitter Account hat.

6 | No Gravatar

November 21st, 2010 at 12:24

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Vielen Dank für Euer Feedback. Noch eine Ergänzung zum Thema Recherche: Der Studie nach dominieren natürlich andere Werkzeuge der Online-Recherche. Hier vor allem Google. Twitter wird laut Studie eher zur weichen Recherche eingesetzt. Zum Beispiel um Stimmungsbilder einzuholen.Ein Ergebnis war tatsächlich, dass Twitter nicht von allen Redaktionsmitgliedern gleichermaßen genutzt wird. In den Redaktionen gibt es Mitarbeiter, die Twitter nutzen und andere die es gar nicht nutzen. Das könnte mit der fehlenden Kompetenz zusammenhängen. Fehlendes Wissen und Unsicherheit führen ja schnell zu einer ablehnenden Haltung.Wegweisend fande ich in weiteren Diskussionen zwei Aussagen an dem Tag:Mercedes Bunz sagte, dass in UK beim Guardian Social Media Kompetenz vorusgesetzt wird, da es dort zum journalistischen Handwerkszeug gehöre.Christian Lindnder sagte, dass bei der Rhein-Zeitung Social Media Kompetenz ein Einstellungskriterium für die Volontäre ist.@Kai Da stimme ich zu. Wenn Journalismus dem eigenen Qualitäsanspruch gerecht werden will, dann gehört es auch dazu den Mitarbeitern in den Redaktionen die nötige Medienkompetenz zu vermitteln und man darf sie mit dem Thema nicht alleine lassen. Gerade Mitarbeiter, die sich noch nicht mit dem Thema beschäftigt haben müssen mitgenommen werden. Verbände können hier wichtige Arbeit leisten. Wie sind die Verbände eigentlich im Hinblick auf Weiterbildungsangebote aufgestellt?@Hans-DieterDanke für den Hinweis. Das junge Menschen aufgrund ihrer Sozialisation Medienkompetenz besitzen (Digital Native) ist aus meiner Sicht so falsch, dass nicht einmal das Gegenteil richtig ist. Studien belegen dies.

7 | Medial Digital» Linktipps Neu » Linktipps zum Wochenstart: Twitter und die Medien

November 21st, 2010 at 21:04

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[…] Studie: Twitter, Journalismus & Medienkompetenz – Denn sie wissen nicht, was sie tun…? […]

8 | Medienlinks zum Wochenstart: Twitter und die Medien | iTimes.de

November 22nd, 2010 at 04:40

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[…] Studie: Twitter, Journalismus Medienkompetenz – Denn sie wissen nicht, was sie tun…? […]

9 | Alexander Stocker

November 22nd, 2010 at 14:21

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Eine Recherche mit Twitter führt mich als Informationssuchenden vor völlig andere Herausforderungen, als eine Recherche mit Google.

– Während ich auf Google kein (persönliches) Netzwerk benötige und von einem maschinellen Algorithmus ge-rankte Treffer erhalte, hängen Relevanz und Qualität einer gefundenen Information auf Twitter (für mich) stark von der Person ab, welche diese kommuniziert.

– Eine reine Suche nach Schlagworten halte ich auf Twitter nur für bedingt sinnvoll. Viel wesentlicher ist es, sich wiederholt mit den Personen auseinanderzusetzen, welche Informationen zu bestimmten Schlagworten veröffentlichen.

– Der Auf- und Ausbau eines persönlichen Twitter-Netzwerks benötigt allerdings viel Zeit und ist wahrscheinlich niemals beendet. Ich kann mir vorstellen, dass gerade dieser Umstand auch viele potenzielle Nutzer davon abhält, welche sich immer fortwährend nach dem Nutzen ihrer Tätigkeiten fragen ;-)

10 | No Gravatar

November 22nd, 2010 at 17:51

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Danke für den Kommentar. Das sehe ich ähnlich. Um den Nutzen von Twitter zu erkennen bedarf es zunächst einmal eines grundlegenden Verständnisses. ich bin mir ziemlich sicher, dass man den persönlichen Nutzen von Twitter erst erkennt wenn man das Tool eine Zeit lang selbst ausprobiert hat.
Der Schritt dorthin ist für viele zunächst einmal eine Hürde.

Allerdings geht aus den Zahlen nicht klar hervor um welche Art von Accounts es sich handelt. Also Redaktions- oder persönliche Accounts. Bei einem Redaktionsaccount ist es vielleicht schwieriger ein persönliches Netzwerk aufzubauen. Wahrscheinlich wären persönliche Accounts sinnvoller. Aber vielleicht denkt man in den Redaktionen noch zu sehr in „Reichweiten“.

11 | NGC6544

Dezember 1st, 2010 at 23:15

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Ich drosch nicht ein. Ich stellte nur nach dem Tag meine Eindrücke fest, die sich – und das gebe ich offen zu – allerdings nach mehreren dieser Veranstaltungen irgendwie gleichen. Und das erstaunt mich immer noch, schließlich sind Blogs nun auch seit einigen Jahren auf der Welt und mit denen hat das Web2.0 ja angefangen – von Podcasts mal ganz zu schweigen. Wenn man bis jetzt keine Zeit hatte sich damit zu beschäftigen, wie will man die zukünftig finden? Und wenn man immer noch nicht weiß wie man die einordnen muss oder warum es wichtig ist sich damit zu beschäftigen dann wundert mich das halt. Eine Feststellung, aber ein „eindreschen“ sähe anders aus.

Und wie geschrieben: Eine nähere Bewertung erlaube ich mir erst, wenn ich die komplette Studie – die es leider nicht als komplettes PDF zum Herunterladen gibt, humpf – kenne.

12 | NGC6544

Dezember 1st, 2010 at 23:20

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Ich weiß nicht ob Redaktionsaccounts es schwieriger beim Aufbau eines Netzwerks haben. Ich glaube eher weniger als Einzelpersonen, da bei einer Redaktion ja die ganze „Marke“ mitschwingt. Wenn ich bei Twitter DemWesten folge, habe ich zumindest auch die anderen Tätigkeiten von denen im Kopf.
Andererseits ist es aber auch schön zu wissen, dass man bei Twitter als Person sich seine Reputation erst selbst erarbeiten muss, denn jeder fängt erstmal bei Null an. Selbst ein Sascha Lobo hatte früher nur einen Follower. :-)

13 | No Gravatar

Dezember 2nd, 2010 at 20:11

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Redaktionsaccounts sind aufgrund der Markenwahrnehmung sicher schneller aufgebaut, was die Anzahl der Follower angeht. Da hast Du vollkommen recht. Ich meinte eigentlich etwas anderes.
Nämlich den qualitativen Aspekt des sozialen Netzwerks. Wenn ein Redakteur twittert baut er sich ja sein persönliches soziales Netzwerk auf/bildet es bei Twitter ab.

Ein Redaktionsaccount hingegen wird ja i.d.R von mehreren Personen genutzt. Insofern ist es nicht mehr das Netzwerk eines einzelnen Journalisten. Das schafft dann zwar reichweiten, muss aber qualitativ nicht das bessere Netzwerk sein.
Zum Beispiel ist es denkbar, dass ein Journalist über einen Twitter-Account mit z.B. 150 Follwern/Follows verfügt, diese Kontakte im Hinblick auf den persönlichen an Informationen/Ansprechpartnern wertvoller sind als ein reichweitenstarker Kanal.

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Tim Krischak

Tim Krischak

...kommt aus Essen, arbeitet als freier Berater für Digitale Kommunikation und schreibt hier seit 2008 über Kommunikation in der neuen Medienwelt.

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